Lieber in konkrete Innovationen investieren als in Luftschlösser

Wir lieben Visionen: grosse technologische Sprünge, neue Märkte, neue Möglichkeiten – von der Weltraum-Ökonomie bis hin zu Longevity. Solche "Moonshots", die regelmässig durch die Medien geistern, sind faszinierend und inspirierend – und sie werden unsere Zukunft in Teilen tatsächlich prägen.

Trotzdem lohnt sich ein nüchterner Gegenakzent: So attraktiv diese Zukunftsmusik klingt – als Gesellschaft und als Investor sollten wir zuerst in das investieren, was verhindert, dass wir uns selbst die Grundlage entziehen. Denn ohne stabile ökologische und physische Rahmenbedingungen wird jede High-Tech-Story irgendwann sekundär.

Was nützt die Langlebigkeit, wenn der Planet nicht mehr lebenswert ist?

1) Moonshots brauchen ein funktionierendes "Betriebssystem Planet"

Radikale Zukunftswetten setzen voraus, dass wir Zeit, Energie, stabile Infrastruktur und gesellschaftliche Stabilität haben. Genau dort liegen aber die grössten Risiken unserer Zeit: Klima, Ressourcen, Extremwetter, Wasserverfügbarkeit, Biodiversität. Wenn diese Basis kippt, steigen Kosten, Unsicherheit und Konfliktpotenzial – und damit auch das Risiko für alles, was "weit draussen" in der Zukunft liegt.

2) Die "unspektakulären" Innovationen sind die Voraussetzung für alles andere

Wer heute priorisiert, landet schnell bei Innovationen, die weniger glamourös sind, aber systemisch wirken:

  • Green Tech & Energieeffizienz: Erneuerbare Energien, Speicherlösungen, Gebäudesanierung, industrielle Effizienz
  • Dekarbonisierung: Elektrifizierung von Prozessen, saubere Wärme, industrielle Transformation
  • Resilienz & Klimaanpassung: Wasser, Landwirtschaft, Infrastruktur, Katastrophenvorsorge
  • Rohstoffeffizienz: Kreislaufwirtschaft, Recycling, Materialsubstitution

Das sind keine "nice to have"-Sektoren – das sind Stabilitäts- und Produktivitätstreiber, mit realem Bedarf und strukturellem Rückenwind.

3) Eine pragmatische Investment-Logik: Core zuerst, Visionen als Satelliten

Man kann beides haben – Zukunft und Verantwortung – wenn man es sauber gewichtet:

  • Core: Fokus auf Klima-/Energie-/Resilienz-Lösungen, die messbar Risiken senken und skalieren.
  • Satellites: Ein begrenzter Anteil für "Frontier"-Wetten wie Space oder Longevity – mit der Erwartung, dass vieles lange dauert und nicht alles aufgeht.

So bleibt man progressiv, ohne sich von Narrativen treiben zu lassen.

Fazit

Zukunft zu denken ist wichtig. Aber die Reihenfolge zählt: Erst investieren wir in Technologien, die unsere Lebensgrundlagen stabilisieren. Dann macht Zukunftsmusik nicht nur Spass – sie hat auch ein tragfähiges Fundament.

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