Alles Innovation oder was?

Neben der Digitalisierung ist Innovation wohl eines der meist benutzten Schlagwörter im Wirtschaftsjargon der letzten Jahre. Doch was ist eigentlich eine Innovation?

Hilfreich hierbei ist die Abgrenzung zur Invention resp. einer Erfindung im eigentlichen Sinne. Eine Erfindung ohne unmittelbare wirtschaftliche Anwendung oder Nutzen ist eine Invention.

Die erfolgreiche Umsetzung am Markt hingegen ist eine Innovation. Innovationen sind aber nicht darauf beschränkt technische Erfindungen zu kommerzialisieren, sondern beinhalten sämtliche erfolgreichen Neuerungen am Markt.

Zwei Beispiele

Die Erfindung des Transistors im Jahr 1947 war wohl eine der wichtigsten Inventionen des letzten Jahrhunderts. Sie legte u.a. die Basis für den Computer und schlussendlich auch für das, was wir heute als Digitalisierung bezeichnen. Dazumal wurde die Erfindung aber belächelt und es wurde keine praktische Verwendung gesehen. Selbst die Erfinder glaubten nur an Nischenanwendungen u.a. im militärischen Bereich. Die erste Innovation, die daraus folgen sollte, war der kleine portable Transistorradio, ein bestehendes Produkt – Röhren betriebene Radios gab es ja schon rund zwei Jahrzehnte – welches durch diese Innovation mobil wurde und von Texas Instruments erfolgreich auf den Markt gebracht wurde.

Die aus meiner Sicht grösste Innovation im Banking der letzten 25 Jahre ist der börsengehandelte Index Fonds. Der ETF (Exchange Traded Fund) ist gemäss Investopedia heute das populärste Investment Vehikel für individuelle wie auch institutionelle Investoren. Hier war es keine grundlegend neue Technologie, welche die Innovation ermöglichte, sondern eine benutzerorientierte Idee umgesetzt durch die clevere Kombination von bestehenden Bausteinen wie passive Investmentmandate für institutionelle Anleger und elektronische Börsen, welche den enormen Marktdurchbruch brachten.

Das zweite Beispiel zeigt, dass Innovationen nicht eine direkt vorangehende Invention benötigen. Es ist viel öfter die kreative Verknüpfung bereits bestehender Dinge, ohne erfinderische Tätigkeit, um ein Bedürfnis am Markt zu befriedigen.

Drei Arten von Innovationen

Eine mögliche Einteilung von Innovationen ist die in Marktinnovationen, funktionale Innovationen und Prozessinnovationen.

Marktinnovationen sind hierbei neue Wege, wie man Angebot und Nachfrage zusammenbringt oder wie man an den Konsumenten gelangt. Amazon in den Anfangsjahren wäre hier ein populäres Beispiel, welches aufzeigt, wie man ohne ein neues Produkt, das Buch in diesem Beispiel, einen Markt völlig neu auslegen kann.

Funktionale Innovationen decken Bedürfnisse durch technische Möglichkeiten. Der oben erwähnte Transistorradio oder eben auch das Smartphone, welches an sich ja keine grundlegend neue Erfindung war, sondern eine benutzerfreundliche Weiterentwicklung des Mobiltelefons zu einem Internet-Taschencomputer mit Kamera und Ortungsfunktion (GPS). Die zwei Finger Zoom Funktion von Apple war ein vermeintlich einfacher, aber essentieller Bestandteil dieser Innovation. Das iPhone war nicht das erste Mobiltelefon mit all diesen Funktionen, aber das erste, welches die technischen Möglichkeiten mittels Kreativität in einem Produkt benutzergerecht bündelte und damit den Weg zur Mobilisierung des Internets ebnete.

Das alleine war jedoch noch nicht genug innovativ, um die Welt grundlegend zu verändern, es bedurfte noch einer zusätzlichen Marktinnovation in Form des App Stores, wo jeder seine auf das Smartphone zugeschnittenen Programme, von da an als Apps bezeichnet, anbieten kann.

Schlussendlich gibt es noch die Prozessinnovationen, welche zum Ziel haben, mittels Technologie automatisierter und somit günstiger, schneller und/oder individueller zu produzieren. Die Digitalisierung von Arbeitsprozessen ist hier genauso einzuordnen wie der industrielle 3D Drucker.

Wer es schafft, diese drei Innovationsarten kreativ zu kombinieren, dürfte sich dem Erfolg am Markt durch Innovation sicher sein.