Portfolio Wizard – Wenn ein persönliches KI-Dashboard die Reporting-Möglichkeiten des Private Bankings übertrifft

Drei Tage mit Claude, zwei MCP-Server und ein Portfolio-Konsolidierungstool, dessen Analyse- und Look-through-Möglichkeiten ich in 30 Jahren Private Banking so noch nicht gesehen habe.

Nach mehr als einem halben Jahr intensiver Beschäftigung mit agentischer Softwareentwicklung dachte ich eigentlich, mich könne so schnell nichts mehr überraschen. In dieser Zeit habe ich mit KI-Agenten unter anderem eine umfangreiche Investment-Applikation, eine Plattform zur Steuerung von Transformationsportfolios und verschiedene kleinere Endbenutzeranwendungen entwickelt.

Doch was Claude inzwischen mit interaktiven Dashboards ermöglicht, hat selbst mich überrascht.

Das System entwickelt Anwendungen praktisch so schnell, wie ich meine Anforderungen formuliere. Und ich spreche wirklich nicht langsam...

Alles begann mit einem einfachen Dashboard

Die ursprüngliche Idee war eher bescheiden: Ich wollte meine Investmentpositionen über verschiedene Banken und Depots hinweg in einer gemeinsamen Übersicht sehen.

Nach zwei Stunden stand das erste Dashboard. Weitere zwei Stunden später war daraus bereits ein umfangreiches Konsolidierungstool geworden. Und nach insgesamt drei Tagen Entwicklung ist der Funktionsumfang inzwischen erstaunlich.

Heute kann ich mehrere unabhängige Portfolios verwalten, jedes mit verschiedenen Depotbanken und Unterdepots.

Die Positionen muss ich nicht mehr manuell erfassen. Ich lade einfach einen oder mehrere Vermögensauszüge hoch. Claude interpretiert die Dokumente und übernimmt automatisch:

  • Wertschriften, Stückzahlen, Kurse, Marktwerte und weitere verfügbare Informationen
  • Die Zuordnung der Positionen zu den entsprechenden Asset-Klassen
  • Strategische Soll-Gewichte der Asset Allocation (SAA), sofern vorhanden
  • Die Struktur der verschiedenen Portfolios, Depotbanken und Depots

Damit entsteht aus mehreren Vermögensauszügen praktisch automatisch eine konsolidierte Portfolioverwaltung.

Drei Ebenen der Portfolioanalyse – bis zum vollständigen Look-through

Besonders mächtig finde ich die inzwischen implementierte Look-through-Funktionalität.

1. Klassische Positionssicht

Zunächst sehe ich meine Positionslisten wie auf einem normalen Bankdepotauszug: Cash, Bonds, Aktien, ETFs, Fonds, Robo-Advisor Mandate usw. – einzeln oder über sämtliche Depots konsolidiert.

2. ETF-Look-through

Über meinen Investment Decision Lab MCP-Server werden sämtliche ETFs in ihre zugrunde liegenden Bestandteile zerlegt.

Damit sehe ich beispielsweise nicht nur meine direkt gehaltenen US-Aktien, sondern auch die entsprechenden Anteile innerhalb meiner globalen und regionalen ETFs.

3. Vollständiger Look-through

Auch andere Investmentvehikel lassen sich inzwischen wirtschaftlich zerlegen.

Dafür kann ich ihre Zusammensetzung über einen oder mehrere Referenz-ETFs approximieren. Ein global investierter Robo-Advisor lässt sich beispielsweise vereinfacht durch einen All-World-ETF abbilden oder durch eine individuell gewichtete Kombination verschiedener ETFs.

Das Ergebnis: eine vollständige, bei Bedarf approximierte Asset Allocation über sämtliche Portfolios, Depotbanken und Investmentvehikel hinweg.

Und das Beste: Für jede einzelne Asset-Allocation-Position kann ich nachvollziehen, woher sie stammt.

Wenn beispielsweise 35 % meines Vermögens in US-Aktien investiert sind, sehe ich unmittelbar, welche Direktanlagen, ETFs, globalen Fonds und Robo-Advisor-Anteile dazu beitragen.

Die Asset Allocation richtet sich nach meiner Strategie – nicht umgekehrt

Auch die Struktur der Asset Allocation ist völlig frei definierbar. Ich bin nicht an vorgegebene Anlageklassen oder die Systematik einer Bank gebunden, sondern kann meine eigene Allokationsstruktur aufbauen – genau so, wie ich über meine Investments denke und meine Anlagestrategie plane.

Ein Beispiel: Thematische ETFs. Diese kann ich als eigene Kategorie mit einem strategischen Soll-Gewicht von 0 % führen. In der klassischen Positionssicht ohne Look-through sehe ich sofort, wie viel ich insgesamt in thematische ETFs investiert habe.

Im vollständigen Look-through werden diese ETFs hingegen in ihre zugrunde liegenden Bestandteile zerlegt und im Asset-Allocation-Check den entsprechenden Aktienregionen zugeordnet – beispielsweise USA, Europa oder Schwellenländer.

Damit kann ich zwei unterschiedliche Fragen beantworten: Wie habe ich mein Vermögen investiert – und wie ist es wirtschaftlich tatsächlich allokiert?

Der Soll-Ist-Vergleich mit meiner strategischen Asset Allocation erfolgt dabei konsequent auf Basis des vollständigen Look-throughs.

So passt sich das Reporting meiner eigenen Investmentlogik an – und nicht umgekehrt.

Praktische Funktionen für die tägliche Investmentanalyse

Neben den umfangreichen Konsolidierungs- und Look-through-Funktionen sind es oft die kleinen Dinge, die ich bei der täglichen Portfoliokontrolle und bei Investmententscheidungen besonders schätze.

Portfolios und Depotbanken flexibel ein- und ausblenden

Mit einfachen Buttons kann ich einzelne Depotbanken ein- oder ausschalten und damit beliebige Ausschnitte meines Gesamtvermögens analysieren. Sämtliche Auswertungen und die Asset Allocation passen sich automatisch der gewählten Auswahl an.

Positionen grafisch analysieren und vergleichen

Direkt aus der Positionsliste kann ich für jeden Titel den historischen Kursverlauf aufrufen – wahlweise mit oder ohne Dividendenkorrektur.

Diesen kann ich grafisch mit beliebigen anderen Wertschriften oder vordefinierten Marktindizes vergleichen. Die Darstellung erfolgt wahlweise in der Währung der Position oder in der Handelswährung des Titels.

So sehe ich unmittelbar, wie sich eine Anlage gegenüber Alternativen oder Benchmarks entwickelt hat – ohne zwischen verschiedenen Anwendungen wechseln zu müssen.

Tägliche Gewinner und Verlierer auf einen Blick

Das Dashboard zeigt mir auch die täglichen Gewinner und Verlierer meines konsolidierten Portfolios. Dabei kann ich die Positionen nach prozentualer Kursveränderung, absolutem Gewinn oder Verlust sortieren.

So sehe ich nicht nur, welche Titel sich am stärksten bewegt haben, sondern vor allem, welche Positionen mein Gesamtportfolio heute am meisten beeinflussen.

Direkte Integration mit dem Investment Decision Lab

Sämtliche ETFs meines Portfolios kann ich direkt ins Investment Decision Lab exportieren und dort mit dessen umfangreichen Analyse- und Risikofunktionen weiter untersuchen – von der Portfoliooptimierung über Monte-Carlo-Simulationen bis hin zu historischen Stresstests.

Damit wird aus dem Portfolio Wizard nicht nur ein Konsolidierungs- und Reporting-Tool, sondern auch ein direkter Einstieg in die vertiefte Investmentanalyse und Entscheidungsfindung.

Genau solche Funktionen machen für mich den Unterschied zwischen einem statischen Portfolio-Reporting und einem Werkzeug, mit dem ich tatsächlich täglich arbeite und Investmententscheidungen vorbereite.

Manchmal sind die einfachsten Auswertungen die wertvollsten

Ein Beispiel: Wo liegen aktuell meine Cashreserven?

Ein Klick genügt und ich sehe sämtliche Cashpositionen über alle Depotbanken hinweg, absteigend nach Betrag sortiert.

Kein Durchsuchen verschiedener Depots, keine manuelle Konsolidierung.

Dasselbe gilt für Auswertungen nach Währungen, Regionen, Anlageklassen, einzelnen Wertschriften oder Konzentrationsrisiken.

Ich muss nicht mehr wissen, in welchem Depot oder Report eine Information steckt. Ich betrachte einfach mein gesamtes Vermögen aus der gewünschten Perspektive.

Zwei MCP-Server machen den Unterschied

Die eigentliche Stärke liegt in der Verbindung spezialisierter Systeme über das Model Context Protocol (MCP).

  • Marktdaten-MCP: Liefert echte Intraday-Marktdaten. Ein Algorithmus unterstützt die Auswahl der besten verfügbaren Börsenkurse.
  • Investment Decision Lab MCP: Mein eigenes Investment Decision Lab (www.bicon.co) liefert ETF-Look-through-Daten, Risikokennzahlen und umfangreiche Investmentanalysen.

Claude verbindet diese Systeme und stellt die Ergebnisse in einer interaktiven Benutzeroberfläche dar.

Nicht jede Funktion muss neu programmiert werden. Bestehende Systeme liefern Daten und Berechnungen – Claude macht daraus eine Anwendung.

Und die funktioniert inzwischen auch auf dem Smartphone ausgesprochen gut.

Was bedeutet das für das Private Banking?

Zunächst möchte ich eines klarstellen: Ich habe nicht den Anspruch, mit meinem Portfolio Wizard besser zu sein als das Private Banking. Das bin ich auch nicht.

Private Banking umfasst weit mehr als Portfolio-Reporting – insbesondere persönliche Beratung, Vermögensstrukturierung, Finanzierung und Nachfolgeplanung.

Aber bei der bankübergreifenden Vermögenskonsolidierung und den darauf aufbauenden Analysen sieht die Sache anders aus.

Nach drei Tagen Entwicklung mit Claude habe ich ein Dashboard, dessen Konsolidierungs-, Look-through- und Analysemöglichkeiten nach meiner Erfahrung deutlich über das hinausgehen, was die meisten Banken ihren Kunden heute digital anbieten.

Und ich beschäftige mich seit rund 30 Jahren beruflich mit genau diesen Themen.

Natürlich ist ein Prototyp noch keine produktionsreife Banking-Anwendung. Sicherheit, Datenqualität, Berechtigungen, Nachvollziehbarkeit und regulatorische Anforderungen bleiben entscheidend.

Aber die technische und wirtschaftliche Eintrittshürde für solche Lösungen sinkt dramatisch.

Was früher ein anspruchsvolles IT-Projekt mit entsprechendem Budget war, lässt sich heute zumindest als leistungsfähiger Prototyp innerhalb weniger Tage realisieren.

Mein Fazit

Drei Tage. Zwei MCP-Server. Mehrere Portfolios und Depotbanken. Automatischer Import von Vermögensauszügen. Vollständiger Look-through inklusive approximativer Zerlegung komplexer Investmentvehikel. Frei definierbare Asset Allocation mit transparenter Herkunft jeder Position. Flexible Depotbank-Auswahl, historische Kursvergleiche und umfangreiche Analysen. Und eine ausgesprochen benutzerfreundliche Oberfläche – auch auf dem Smartphone.

Das eigentlich Erstaunliche ist für mich nicht, dass sich eine solche Anwendung entwickeln lässt.

Sondern dass ich dafür gerade einmal drei Tage gebraucht habe.

Und das wirft eine interessante Frage auf:

Wenn anspruchsvolle Konsolidierungs- und Reporting-Funktionen plötzlich mit so geringem Entwicklungsaufwand realisierbar werden – wie verändert das die Erwartungen der Kunden und die Wirtschaftlichkeit bestehender Lösungen?

Eine fixfertige Applikation habe ich daraus bisher nicht gemacht. Aber ein Claude-Template inklusive Anleitung zur MCP-Anbindung ist vorhanden.

👉 Wer den Portfolio Wizard privat selbst ausprobieren möchte, kann sich gerne bei mir melden.

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