Vorlesung geplant. Plattform gebaut. PowerPoint irritiert.

Eigentlich wollte ich nur die Unterlagen für meine Vorlesungen an der Universität Liechtenstein aktualisieren. Daraus ist eine interaktive, mobilfreundliche Präsentationsplattform geworden – inzwischen vollständig datenbankbasiert, mit Administrationskonsole, grafischem Editor und KI-Unterstützung bei der Aktualisierung und Quellenprüfung.

Wer über FinTech und Disruption unterrichtet, kennt das Problem: Die Folien vom letzten Jahr sind dieses Jahr schon fast ein Fall fürs historische Archiv. Geschäftsmodelle entwickeln sich weiter, neue Anbieter verändern den Wettbewerb und KI verschiebt laufend die Grenzen des technisch und wirtschaftlich Machbaren.

Für meine Vorlesungen an der Universität Liechtenstein wollte ich deshalb die Inhalte aktualisieren und gleichzeitig die Vermittlung weiterentwickeln. Zusammenhänge sollten sich interaktiv erkunden lassen. Und die Präsentationen sollten auch auf dem Smartphone gut funktionieren.

So viel zum Thema «Ich überarbeite nur kurz die Folien».

Von der Präsentation zur interaktiven Anwendung

Den Anfang machte meine Vorlesung «FinTech und Disruption im Finanzwesen und am Liechtensteiner Finanzplatz». Sie umfasst inzwischen 62 Folien – wobei der Begriff «Folien» nur noch bedingt passt.

Die Teilnehmenden können Technologien selbst im Hype Cycle einordnen, FinTech-Geschäftsmodelle in interaktiven Quadranten erkunden und mit einem Regler das Spannungsfeld zwischen Automatisierung und Individualisierung untersuchen.

Solche Modelle lassen sich gemeinsam in der Vorlesung diskutieren und anschliessend individuell nachvollziehen. Wer eine Annahme verändert oder eine andere Position auswählt, beschäftigt sich aktiv mit der dahinterliegenden Argumentation.

Inzwischen ist bereits eine zweite Präsentation für die Universität Liechtenstein hinzugekommen: zum Thema Decentralised Finance (DeFi). Aus dem einzelnen Vorlesungsprojekt wird damit Schritt für Schritt eine Sammlung.

Die Plattform bietet Deutsch und Englisch, einen Präsentationsmodus und eine mobilfreundliche Darstellung. Einen PDF-Export gibt es ebenfalls. Für alle, die beim Wort «interaktiv» vorsichtshalber etwas ausdrucken möchten.

Link zu den Präsentationen

Aktuelle Inhalte statt jährlicher Folienarchäologie

Besonders spannend finde ich die Möglichkeiten bei der laufenden Aktualisierung. KI kann die Präsentationen überarbeiten, neue Entwicklungen recherchieren und passende aktuelle Zahlen samt Quellen einarbeiten.

Damit lässt sich eine Vorlesung vor dem nächsten Einsatz systematisch auf den neuesten Stand bringen: Welche Beispiele sind noch relevant? Welche Zahlen wurden inzwischen durch neuere Daten ersetzt? Welche Entwicklungen verändern die bisherige Einordnung?

Auch die Quellen können überprüft werden. Die KI sucht nach den referenzierten Quellen, prüft, ob sie noch erreichbar sind, und protokolliert die Ergebnisse. So wird sichtbar, wo ein Link funktioniert und wo eine Referenz überprüft oder ersetzt werden muss.

Gerade in schnelllebigen Themenfeldern wie FinTech und DeFi gehört diese Arbeit zur Qualität der Inhalte. Eine Zahl braucht einen nachvollziehbaren Datenstand, eine Aussage eine belastbare Grundlage. Die fachliche Prüfung und Einordnung bleiben dabei meine Aufgabe. Ein funktionierender Link allein macht eine Aussage schliesslich noch nicht richtig.

Inzwischen mit Datenbank, Verwaltung und Editor

Präsentationsmanger & Editor

Auch die technische Grundlage hat sich weiterentwickelt: Die Plattform ist inzwischen vollständig datenbankbasiert. Eine Administrationskonsole dient der Organisation der Präsentationen. Über einen grafischen Editor lassen sich bestehende Folien ändern und neue anlegen.

Damit gehört die laufende Pflege zum Konzept. Inhalte können gezielt weiterentwickelt werden, während die Präsentationen für die Teilnehmenden über einen einfachen Link zugänglich bleiben.

Für mich entsteht so eine gemeinsame Arbeitsumgebung für die Vorbereitung, Aktualisierung und Durchführung meiner Vorlesungen.

Was KI am eigenen Arbeitsablauf verändert

Entwickelt habe ich die Plattform mit Unterstützung von KI. Für mich zeigt das Projekt sehr konkret, wie sich der Spielraum bei der Umsetzung eigener Ideen vergrössert.

Am Anfang stand ein fachlicher Bedarf: aktuelle Inhalte, interaktive Modelle und ein einfacher Zugang für die Teilnehmenden. Daraus liess sich eine eigene Anwendung entwickeln und schrittweise um die Funktionen erweitern, die bei der Vorbereitung und im Einsatz sinnvoll wurden.

KI unterstützt dabei inzwischen sowohl die Weiterentwicklung der Plattform als auch die Pflege der Inhalte. Das Fachwissen, die Auswahl der Themen, die Argumentation und die didaktische Verantwortung bleiben meine Aufgabe. Gleichzeitig kann ich stärker selbst bestimmen, wie diese Inhalte vermittelt und aktuell gehalten werden.

PowerPoint schaut derweil etwas irritiert vom Desktop zu.

Zwei Vorlesungen sind erst der Anfang

Mit den Präsentationen zu FinTech und DeFi ist die Grundlage gelegt. Auf present.bicon.li werden künftig weitere Präsentationen hinzukommen.

Ob meine Studierenden die Begeisterung teilen, wird sich zeigen. Auch eine interaktive Plattform verhindert schliesslich keine Prüfungsfragen.

Ich wollte Disruption erklären. Jetzt hat es erst einmal meinen eigenen Präsentationsworkflow erwischt.

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