Die Zukunft des Digital Banking

Da das Banking Geschäft per se digital stattfindet, sind Banken schon seit Jahrzehnten mit der Digitalisierung im ursprünglichen Sinne, also dem digitalen Verarbeiten von ehemals analogen Informationen (EDV), beschäftigt. Auch die digitale Vernetzung von Markteilnehmern über die Unternehmensgrenze hinaus ist in der Bankenwelt nichts wirklich Neues, eher schon so alt, dass diese Systeme heute teilweise veraltet und träge sind.

Effizienz und Pricing

Das Neue an dem, was man heute unter Digitalisierung versteht, ist die Einbindung des Endkunden immer und überall via Smartphone einerseits und die vollständige und zeitnahe Automatisierung der ganzen Wertschöpfungskette andererseits. Aus Bankensicht ist dies heute meist eine effizienzgetriebene Digitalisierung mit dem Ziel, möglichst automatisiert und somit günstig zu «produzieren».

Auch für den Endkunden stellt dies einen Effizienzgewinn dar, da er immer noch vorwiegend dieselben Services und Produkte nutzt, nur eben immer aktuell und überall.

Diese Effizienzpotentiale haben auch ihre Auswirkungen auf der Gebührenseite. So werden speziell transaktionale Bankgeschäfte immer günstiger oder gar vollständig gebührenfrei. Dies ist nicht mehr nur beim Bezahlen der Fall, sondern beispielsweise auch beim Wertschriftenhandel. Man schaue in die USA, wo praktisch alle grossen Retail Broker Ende 2019 das kommissionsfreie Handeln eingeführt haben. Dies erfordert künftig neue Preismodelle für die Services mit zusätzlicher Wertschöpfung für den Kunden, wie beispielweise der individuellen Beratung. Es bieten sich zeit- oder vermögensgebundene Modelle an, vielleicht setzt sich aber gar ein Flat Pricing durch, wie beispielweise beim digitalen Streaming von Musik oder TV-Serien.

Weiters wurden durch die aktuelle Pandemie die digitalen Kanäle zum Primärkanal, nicht nur in der Kommunikation, sondern bei allen Facetten von Bankgeschäften. Somit ist ein modernes digitales Offering für den Kunden künftig ein Muss und wohl weniger eine wirkliche Differenzierungsmöglichkeit. Dieses Offering muss selbstsprechend die Strategie des jeweiligen Finanzdienstleisters widerspiegeln. Beim Discount Broker wird das digitale Angebot für den Kunden anders aussehen müssen als bei der Privatbank für die wohlhabende Kundschaft. Der Retail Trader hat andere Use Case Schwerpunkte als der vermögende Unternehmer.

Nutzen und digitale Differenzierungsmöglichkeiten

Via offenen Schnittstellen (APIs) werden künftig Aggregationsdienste verschiedenste Bankverbindungen in einer Ansicht konsolidiert präsentieren. Dies birgt die Gefahr, dass die Bank das digitale Kundeninterface an Drittanbieter verliert, bietet aber auch grosse Chancen für neue Dienstleistungen.

Das bringt mich zur Frage, welches denn die digitalen Differenzierungsmöglichkeiten der Zukunft sind? Neben der oben beschriebenen effizienzgetriebenen, gibt es auch die nutzengetriebene Digitalisierung. Hierbei geht es um das Schaffen von neuen Services und auch Produkten, welche erst durch die aktuellen IT Innovationen ermöglicht werden, wie beispielweise die beschriebene Aggregation.

Schauen wir das populäre Musikstreaming an. Ich höre immer noch Musik, aber neu überall mit einer riesigen Auswahl. Dies sind Aspekte der Effizienz. Wenn mir nun aber auf mich persönlich zugeschnittene Playlists angeboten werden, welche meinen Geschmack treffen und ich somit neue Künstler in der riesigen Auswahl entdecke, ist das ein neuer nutzengetriebener Service. Dass hierzu eine grosse Menge an Daten resp. Nutzern benötigt wird soll zeigen, dass es für einen neuen digitalen Service oft einer Mischung aus technologischen Möglichkeiten und Daten bedarf.

Eine Differenzierungsmöglichkeit sind somit Services, welche gegenüber dem Kunden individualisiert angeboten werden können, in der Abwicklung aber hochgradig automatisierbar sind.

Bei den neuen digitalen Produkten findet man Beispiele in der Blockchain Welt. Dezentral gesteuerte Protokolle und Tokens ermöglichen völlig neue Finanzprodukte und Geschäftsmodelle, wie in vorangegangen Artikeln mehrfach erläutert. Auch den aktuellen Hype um Digital Art, welche mittels NTFs (Non Fungibe Tokens) handelbar gemacht wird, würde ich hier einordnen, obwohl man an der Nachhaltigkeit Zweifel haben kann.

Wer es schafft, nutzengetriebene digitale Services und Produkte zu entwickeln, welche gleichzeitig effizient und somit skalierbar sind, wird sich des Erfolgs im Digital Banking sicher sein.

In einer 2X2 Matrix ergeben sich aus der effizienz- und nutzengetriebenen Digitalisierung folgende 4 Rollen:
(Details zu den im Bild angeführten Beispielen von FinTech Offerings hier)

Die Abbildung zeigt die 4 Quadranten, welche sich aus der effizienz- und nutzengetriebenen Digitalisierung im Banking ergeben