Agentic Software Development – mehrere Releases pro Tag, ohne Abstriche bei der Qualität

KI-Agenten entwickeln und prüfen den Code, automatisierte Prozesse sichern die Qualität, und der Mensch trifft die Entscheidungen. Ein Einblick in unseren Entwicklungsprozess bei BICon Portfolio Steering.

Mit BICon Portfolio Steering entwickeln wir eine Plattform für strategische Portfolioentscheidungen, digitale Transformation und EU-AI-Act-Governance. Eine Anwendung also, deren Ergebnisse von Geschäftsleitungen und Verwaltungsräten genutzt werden.

Entsprechend hoch sind unsere Anforderungen an Qualität, Sicherheit und Nachvollziehbarkeit.

Gleichzeitig setzen wir konsequent auf Agentic Software Development. Das ermöglicht häufig mehrere produktive Releases pro Tag – mit einem strukturierten Entwicklungsprozess und automatisierten Qualitätskontrollen.

Unser Entwicklungsprozess in fünf Schritten

1. Konzept – erst denken, dann bauen

Jede neue Funktion beginnt mit einem Konzept, das Problemstellung, Lösungsansatz, Tests und offene Fragen beschreibt.

Die KI unterstützt bei der Ausarbeitung. Die fachlichen Entscheidungen und die Freigabe der Umsetzung liegen bei mir.

2. Entwicklung – KI programmiert und KI kontrolliert

Claude implementiert die Änderungen auf einem eigenen Git-Branch.

Anschliessend überprüfen mehrere unabhängige Claude-Reviewer den Code aus unterschiedlichen Perspektiven: Korrektheit, Sicherheit und Betriebsstabilität.

Zusätzlich analysiert OpenAI Codex die Pull Requests. Unterschiedliche KI-basierte Prüfungen helfen dabei, Fehler und Schwachstellen frühzeitig zu erkennen.

3. Automatisierte Tests – bei jeder Änderung

Bei jedem Push auf GitHub werden rund 2'000 Unit- und Datenbank-Testfälle automatisch ausgeführt – jeweils gegen eine frisch aufgesetzte Datenbank.

Vor jedem Deployment kommen über 70 automatisierte End-to-End-Browsertests hinzu.

Die Regel ist einfach: Ein fehlgeschlagener Test blockiert den weiteren Prozess.

4. Staging – erst prüfen, dann produktiv einsetzen

Nach meiner Freigabe wird die Änderung in eine separate Staging-Umgebung ausgerollt.

Auch dort müssen die automatisierten Tests auf exakt dem auszuliefernden Code-Stand erfolgreich sein. Datenbankänderungen erfolgen über versionierte Migrationen.

Zusätzlich finden in Staging die abschliessenden manuellen Funktionstests statt.

5. Release – kontrolliert und nachvollziehbar

Der produktive Git-Branch main ist geschützt. Änderungen sind ausschliesslich über Pull Requests mit erfolgreichen Tests möglich. Force-Pushes und Ausnahmen sind ausgeschlossen.

Erst nach erfolgreichen Prüfungen und meiner ausdrücklichen Freigabe werden API und Frontend produktiv ausgerollt.

Damit bleibt der Weg von der ursprünglichen Idee bis zum produktiven Release nachvollziehbar.

Geschwindigkeit und Qualität sind kein Widerspruch

Das Ergebnis dieses Prozesses ist bemerkenswert: Oft durchlaufen mehrere Releases pro Tag sämtliche Entwicklungs-, Prüf- und Freigabestufen.

Was in der klassischen Softwareentwicklung erhebliche personelle Ressourcen für Implementierung, Code-Reviews, Tests und Releases erfordert, lässt sich heute zu grossen Teilen durch KI-Agenten und automatisierte Pipelines erledigen.

Dabei bedeutet Automatisierung nicht, dass Fehler ausgeschlossen wären. Vielmehr ermöglichen unabhängige Prüfungen, wiederholbare Tests und klare Freigaberegeln einen systematischen Umgang mit Risiken.

Wir entwickeln nicht schneller, weil wir Qualitätskontrollen weglassen. Wir können schneller entwickeln, weil wir diese Kontrollen weitgehend automatisiert haben.

Die Verantwortung bleibt beim Menschen

Agentic Software Development verändert die Rolle des Softwareentwicklers grundlegend.

KI-Agenten übernehmen zunehmend die operative Umsetzung. Der Mensch konzentriert sich stärker auf fachliche Anforderungen, Architektur, Risikobeurteilung und die Entscheidung, was tatsächlich produktiv eingesetzt werden soll.

Gerade meine langjährige Erfahrung mit komplexen IT-Systemen in der Finanzindustrie ist dabei ein wichtiger Bestandteil: KI kann viel programmieren – aber sie muss wissen, was sinnvoll ist, welche Anforderungen gelten und worauf es fachlich ankommt.

Mein Fazit: Agentic Software Development bedeutet nicht weniger Governance. Im Gegenteil – wir können Qualitätsprozesse heute konsequenter automatisieren als je zuvor.

Die Kombination aus Geschwindigkeit, Qualität und menschlicher Verantwortung eröffnet völlig neue Möglichkeiten für die professionelle Softwareentwicklung.


BICon Portfolio Steering: www.bicon.digital

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